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Unmittelbar nach der Einführung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung auf Baustellen im Jahr 1976 hat sich die Zahl der tödlichen Elektrounfälle sehr schnell und stark reduziert. Die Suva hat zu jenem Zeitpunkt die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung auf Baustellen «verordnet» und so viele Menschenleben gerettet und grosses Leid verhindert.

Seit der Einführung hat sich die Anwendung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) beim Versagen von anderen Schutzmassnahmen sowie bei Sorglosigkeit durch Benutzer bewährt und in elektrischen Installationen ständig verbreitert. Anfänglich nur auf Baustellen, in Badezimmern und im Freien eingesetzt, werden sogenannte FI-Schutzschalter heute überall dort angewendet, wo elektrisch betriebene Geräte verwendet werden, die im Betrieb in der Hand gehalten oder umfasst werden.

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen schützen nicht direkt vor elektrischer Durchströmung, bieten aber einen sehr hohen Personenschutz. Diese sehr zuverlässigen Schutzeinrichtungen schalten die Stromversorgung in Bruchteilen von Sekunden (ca. 0.04 bis 0.3 s) ab und verhindern damit Herzkammerflimmern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch die kurze Durchströmung schnelle und unkontrollierte Muskelbewegungen ausgelöst werden, die z.B. zu einem Sturz von einer Leiter oder einem Gerüst führen können (Sekundärunfall). Schädigungen durch eine Körperdurchströmung sind jedoch ausgeschlossen.

Bei ca. 75 % der Elektrounfälle (oder elektrisch gezündeten Bränden) fliesst ein Strom gegen Erde. Solche Fehlerströme werden von der RCD detektiert. Ist diese richtig ausgewählt, können damit Unfälle und Brände verhindert werden.

Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen werden allgemein mit der englischen Abkürzung RCD bezeichnet und diese steht für «residual current device». Umgangssprachlich werden RCDs als Fehlerstrom-Schutzschalter oder FI-Schalter bezeichnet.

RCDs sind «Einrichtungen» die Fehlerströme detektieren und beim Überschreiten des Grenzwertes abschalten können.

Typische Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) sind:

  • Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schalter)
  • Leitungs- und Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (FI-LS / RCBO))
  • Portable Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (PRCD), als Steckdosen-Adapter
  • In Steckdosen integrierte Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (Sidos-Steckdosen)
  • Differenzstrom-Überwachungseinrichtungen (RCM)
  • Modulare Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (MRCD), z.B. in Leistungsschaltern (CBR)

Das Prinzip der RCD

Das Prinzip der RCD beruht auf dem Vergleich der zu- und wegfliessenden Ströme in den aktiven Leitern. Im Fehlerfall ist die Summe dieser Ströme nicht gleich Null und die RCD schaltet den fehlerhaften Stromkreis ab.

Erfolgsstory RCD

Auf Baustellen geht die Erfolgs-Story der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen weiter. Die Anwendung der RCD hat sich bewährt und wird ständig erweitert. Mit der Ausgabe 2020 der SN 411000 Niederspannungs-Installationsnorm (NIN) ist die Anwendung der RCD nochmals erweitert worden (siehe NIN 7.04.4.1.1.3 / SNG 491000-2071c / Merkblatt BfA: Elektrische Installationen und Betriebsmittel auf Baustellen).

Seit 1976 sind Steckdosen ≤ 32 A in Baustromverteilern mit RCD mit In ≤ 30 mA als zusätzliche Schutzmassnahme ausgestattet. Seit dem 1. Januar 2020 müssen auch Steckdosen > 32 A mit RCD mit In ≤ 300 mA als Fehler-Schutzmassnahme ausgerüstet werden.

Für diese Bestimmung gemäss NIN 7.04.4.1.1.3 hat das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI die Übergangsfrist verlängert (siehe ESTI-Mitteilung vom 17. März 2020). Für die Umrüstung bestehender Baustromverteiler gelten folgende Fristen:

  • 31. Dezember 2022 für Baustellen, die neu in Betrieb genommen werden
  • 31. Dezember 2023 für Baustellen, die bereits vor dem 1. Januar 2020 in Betrieb genommen wurden

Damit werden die wirtschaftlichen Folgen und mögliche terminliche Engpässe gemildert und eine für das Baugewerbe taugliche Lösung realisiert, ohne die elektrische Sicherheit unzulässig zu beeinflussen.

Anwendung und Auswahl von RCD

Für die verschiedenen Einsatzbereiche kommen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit unterschiedlichen Auslöseströmen zur Anwendung:

Arbeiten mit portablen RCD auf Baustellen ohne Baustromverteiler

Werden elektrische Betriebsmittel an Steckdosen angeschlossen, bei welchen der Benutzer nicht weiss, ob eine Fehlerstrom-Schutzscher vorgeschaltet ist, sind mobile RCD einzusetzen. Solche Schutzschalter können als Adapter zwischen die Steckdose und das Betriebsmittel gesteckt werden oder es können Kabelrollen mit im Anschlusskabel integrierten RCD verwendet werden. Durch diese einfache Massnahme kann der Benutzer selber für eine gute elektrische Sicherheit sorgen und ist gegen Unfälle durch den elektrischen Schlag geschützt.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Josef Schmucki, ist dipl. Elektroinstallateur und arbeitet als Projektleiter bei Electrosuisse im Bereich Weiterbildung. Er ist Mitglied im TK 64 des CES und in weiteren nationalen Technischen Komitees. Als international anerkannter Experte arbeitet er in verschiedenen Komitees und Arbeitsgruppen bei IEC und CENELEC mit. Er leitet regelmässig Schulungen, tritt als Referent auf und ist Autor von Fachbeiträgen.

BFA-MB-020-210302-Elektrische-Installationen-und-Betriebsmittel-auf-Baustellen.pdf

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